Am 28.10.2026 haben unser Städtepartnerschaftsverein, das Kölner Friedensforum und der VVN-BdA eine Veranstaltung über die vom September 1941 bis Januar 1944 dauernde Blockade Leningrads durch die Nazis durchgeführt. Als Veranstaltungsort stand uns die schöne Kartäuserkirche in der Kölner Südstadt zur Verfügung. Die Pfarrerin Frau Thomas-Landgrebe begrüßte die Anwesenden in der gut besetzten Kirch
e.
Danach sprach Eva Aras einleitende, auch persönliche Worte zu dem viel zu wenig bekannten Vernichtungs-Verbrechen der Nazis.
Die Veranstaltung kon
zentrierte sich auf die Lesung aus zwei Tagebüchern, die ein 16jähriger Junge und ein Erwachsener während der Belagerung Leningrads geführt haben. Klaus Nierhoff und Markus J. Bachmann gaben diesen Tagebuchschreibern ihre Stimme. Es sind bewegende Dokumente einer fortschreitenden Hungersnot, einer ständigen Bombardierung, eines Versuchs, trotzdem den Alltag zu bewältigen, einer Hoffnung auf
Evakuierung, die für einen Teil der Bevölkerung gelang, für einen anderen Teil nur eine Hoffnung blieb. Die Tagebuchschreiber berichten auch von ihrer Verzweiflung, von der Rationierung der wenigen Lebensmittel durch die Behörden, von dem unwürdigen Kampf um jede Brotscheibe, von der Selbstanklage, weil man nahestehende Menschen bestahl, von den schwächer werdenden und sterbenden Menschen. Auch der jugendliche Tagebuchschreiber endet im Hungertod; sein Tagebuch überlebt.
D
ie Lesung der Tagebuchabschnitte wurde mehrfach unterbrochen durch Zwischentexte mit historischen Informationen. Peter Trinogga vom VVN-BdA hat Zitate aus Nazidokumenten vorgetragen, die die bewusste Vernichtungsabsicht der ganzen Stadt Leningrad (heute Sankt Petersburg) belegen, und er hat historische Fakten zu der tatsächlichen umfassenden Vernichtung mitgeteilt. Über eine Million Menschen starben, ebenfalls über eine Million konnte evakuiert werden, bevor die Rote Armee im Januar 1944 den Belagerungsring der Nazis durchbrechen konnte.
Die Lesungen wurden zu Beginn und zum Ende eingerahmt durch musikalische Darbietungen. Gero Körner am Klavier und Roger Hanschel am Saxophon haben mit eigenen Kompositionen, die beinahe wie frei improvisiert erschienen, eine Atmosphäre geschaffen, die einerseits gut zu dem bedrückenden Thema passte, andererseits aber auch eine lebendige, widerständige Stimmung vermittelte. Abschließend erinnerte Peter Trinogga daran, dass die Leningrader Blockade von der Bundesregierung – Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reiches – nicht als Völkermord anerkannt wurde, sodass die Überlebenden (außer die jüdischen Opfer) dafür leider keinerlei Entschädigungen erhielten.
Elvira Högemann vom Kölner Friedensforum entließ die Besucher mit Fragen zur zukünftigen Gestaltung des Verhältnisses Deutschland zu Russland.

Die Künstler erhielten langanhaltenden Applaus für ihre Darbietungen.
Viele Besucher zeigten sich von dem Abend sehr bewegt.

